Warenwirtschaft5 Minuten Lesezeit
Der Verdacht fällt zuerst auf Schwund. Das ist naheliegend und meistens falsch: in den Betrieben, die wir gesehen haben, erklärten sich die grössten Abweichungen fast immer durch Erfassungslücken. Der Vorteil daran ist, dass Erfassungslücken sich beheben lassen — und zwar überwiegend ohne neue Software.
Die fünf häufigsten Ursachen
- Wareneingang wird gesammelt und später erfasst. Zwischen Lieferung und Buchung verkauft der Laden bereits. In dieser Lücke ist jede Zahl im System falsch, und sie wird nie rückwirkend korrigiert.
- Retouren und Umtausch laufen an der Kasse vorbei. Der Artikel liegt wieder im Regal, im System ist er verkauft. Zwei Vorgänge pro Woche summieren sich über ein Jahr auf einen dreistelligen Bestandsfehler.
- Eigenverbrauch und Bruch werden nicht gebucht. Die Flasche, die im Betrieb geöffnet wird, und die, die zu Bruch geht, sind buchhalterisch dasselbe: Abgang ohne Verkauf. Ohne eigene Erfassung erscheinen sie als Schwund.
- Derselbe Artikel existiert zweimal. Einmal beim Anlegen getippt, einmal beim Scannen erzeugt. Ab da verteilt sich der Bestand auf zwei Datensätze, von denen keiner stimmt.
- Gebinde und Einzelstück werden verwechselt. Eingekauft wird die Sechserpackung, verkauft die einzelne Flasche. Fehlt die Umrechnung, geht der Bestand um Faktor sechs auseinander — das ist der Fehler, der am schnellsten am grössten wird.
So grenzt man es ein
Zählen Sie nicht das ganze Sortiment, sondern zehn Artikel — fünf mit hohem Umschlag, fünf mit hohem Wert — und vergleichen Sie zwei Wochen lang wöchentlich. Wo die Abweichung mit dem Umschlag wächst, liegt es an der Erfassung im Verkauf. Wo sie sprunghaft nach einer Lieferung auftritt, liegt es am Wareneingang. Wo sie konstant bleibt, war der Anfangsbestand falsch. Diese Unterscheidung spart mehr Zeit als jedes Werkzeug.
Was Technik danach beiträgt
Drei Dinge lösen den grössten Teil: Wareneingang per Scan direkt bei der Lieferung, damit die Lücke gar nicht erst entsteht; eine Kasse, die denselben Bestand führt wie das Lager, statt einen zweiten; und eine Auswertung, die Abweichungen zeigt, solange sie klein sind. Das ist genau das, was unsere Lagerverwaltung tut — sie ersetzt aber keine Regel darüber, wer Bruch bucht.
